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Ein gemaltes Tagebuch sinnlicher Wunschträume -
Ekaterina Moré führt in die Welt der Phantasie
Die Werke von Ekaterina Moré sprechen auf eine angenehme Art und Weise die
Gefühlswelt des Betrachters an. Das sensible Gespür für das Zusammenspiel von
Farbe und Form bildet die Grundlage ihrer eindrucksvollen Kompositionen.
Vergleicht man Ekaterinas heutige Arbeiten mit denen, die vor fünf Jahren
entstanden sind, wird man feststellen, dass die aktuellen Werke malerischer
sind als die von damals. Dies bedeutet vor allem, dass die Linienführung, die
ihren Kompositionen früher eine ikonenhafte Strenge verlieh, zugunsten eines
malerischen Farbauftrags in den Hintergrund getreten ist. Die Farbpalette hat
sich im Laufe dieses Entwicklungsprozesses immer weiter verfeinert, hin zu
klaren, lichtdurchfluteten Tönen von zauberhaftem Flair.
Ihrem zentralen Thema, der mit erotischer Spannung aufgeladenen Sinnlichkeit,
ist die Künstlerin glücklicherweise treu geblieben. Das Thema Erotik lebt in
der Kunst vor allem durch die Andeutung. Es ist die Offenheit einer Szene,
welche die Phantasie des Betrachters anregt. Eine Offenheit, die dem Betrachter
Platz für eigene Interpretationen lässt und ihn nicht festlegt. Das
Schlüsselwort lautet hier „Mehrdeutigkeit“. Bilder werden durch die eigene
Erfahrung und durch die Wünsche entschlüsselt, die der Betrachter in die Szene
hineininterpretiert. Erotik bezeichnet einen Schwebezustand auf einem schmalen
Grad zwischen der Möglichkeit und der Realität. Ekaterina Moré zeichnet
diesbezüglich einen Spannungsbogen, der sich in der Darstellung verdichtet. Die
Dynamik ist dabei so angelegt, dass sie die Fabulierlust der Künstlerin zu
immer neuen Höhepunkten steigert.
Im Zentrum von Ekaterinas Bildern stehen weibliche Wesen, die sich sinnlich und
selbstbewusst zugleich, mit ihrer Rolle identifizieren. Neben der Einzelfigur
sind es Gruppen oder Frauenpaare, die sich untereinander zärtlich berühren oder
mit vielversprechendem Blick in die Augen schauen. Ausdrucksvolle Gesichter mit
großen, hellen Mandelaugen, ganz wie die der Künstlerin selbst. Die erotische
Darstellung, wie sie hier zum Ausdruck kommt, hat eine sehr persönliche
Ausprägung. Vielleicht liegt in dieser Authentizität ein entscheidendes
Kriterium der Wirkung. Ekaterinas Bilder sind in einem gewissen Sinne ein
gemaltes Tagebuch sinnlicher Wunschträume. Träume, die vielen aus der Seele
sprechen.
Vom Typus her entstammen Ekaterinas nymphenhafte Wesen der Phantasie und
verkörpern eine ideale Welt, die auf angenehme Art und Weise ein positives
Gegenbild zur Wirklichkeit, in der oftmals die wichtigen Dinge auf der Strecke
bleiben, oder vom täglichen Kampf ums Dasein überlagert werden, bildet:
Selbstbewusste, attraktive Damen, die ganz wie die Künstlerin selbst mitten im
Leben stehen und dieses Leben meistern, Frauen, die wirklich wissen, was ihnen
gut tut. Der Wunsch nach Zuneigung, Zärtlichkeit, Vertrautheit, Geborgenheit
und auch nach Spannung, wie sie in lebendiger, erfüllter Erotik zum Tragen
kommt, ist ein Bedürfnis, welches dem Menschsein innewohnt. Aber nicht nur in
Bildern und in der Welt der Kunst verarbeitet Ekaterina Moré ihre Träume. Sie
erscheinen auf Porzellantassen und Tellern von Rosenthal – ein Gedeck für
besondere Gelegenheiten. Auch eine niveauvolle Cocktailbar im Maritim-Hotel in
Berlin konnte die Künstlerin kürzlich mit ihren Entwürfen ausstatten.
Wenn man Ekaterina Moré im neuen Atelier in Neuss besucht und sie bei der
Arbeit sieht, gewinnt man den Eindruck, dass sie der Verwirklichung ihres
Lebenstraumes in den letzten Jahren ziemlich nahe gekommen ist. Dennoch ist sie
nicht auf Rosen gebettet und hat sich ihren Erfolg hart erarbeitet. Sie wuchs
in St. Petersburg auf, der Metropole der russischen Kultur. Bereits als
Jugendliche lernte sie die bedeutenden Kunstwerke aus aller Welt, die in der
Eremitage ihren Platz gefunden haben, kennen und schätzen. Ihr Talent wurde von
den Eltern, die beide ebenfalls Künstler sind, und auch von der Schule früh
erkannt und gefördert. Bereits als Jugendliche hatte sie intensiv gemalt und
gezeichnet. Seit den 90er Jahren lebt sie im Rheinland.
Dr. Helmut Orpel, März 2006
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